S2F12 Transkript

Transkript: Silke Lakeit

„Nerds aller Rabbit Holes, vereinigt euch."

Transkript: Silke Lakeit

Automatisch aus dem Untertitel-File (SRT) konvertiert, Zeitstempel relativ zum Folgenstart. Sprecher-Wechsel manuell gesetzt. Redaktionelle Überarbeitung ausstehend.

00:00 · PING · Armin Schroeder#

Guten Morgen, Silke. Ich freue mich schon länger darauf, dass wir dich einmal ein Tag lang begleiten dürfen. Heute ist es soweit. Wo und wie starten wir mit dir in den Tag?

00:08 · PONG · Silke Lakeit#

Hey, guten Morgen, Armin. Ich freue mich auch sehr, dabei zu sein. Wir starten heute halbwegs sportlich. Ich habe gerade eine Runde Yoga hinter mir. Bei uns im Office gibt es die Möglichkeit, das direkt vor Ort zu machen, was ich liebe. Und ich mache mich jetzt frisch und dann starten wir in den Rest des Tages gemeinsam. Ich freue mich drauf.

00:26 · PING · Armin Schroeder#

Das nenne ich mal einen dynamischen Start in den Arbeitstag. Vor allem in einen langen Arbeitstag. Ist so eine Sporteinheit etwas, worauf du dich morgens freust oder musst du dich eher dahin quälen? Nee, tatsächlich freue ich mich da eher

00:38 · PONG · Silke Lakeit#

drauf. Das war nicht immer so, aber das Beim Thema Work-Life-Balance habe ich zumindest festgestellt, dass das etwas ist, was mir wahnsinnig viel Energie gibt, was ich auch echt brauche, wo ich auch echt schlecht gelaunt werde, wenn ich mich eine Zeit lang nicht körperlich bewegt habe. Das muss jetzt nicht irgendwie krasser Sport sein. Es geht einfach nur um die Bewegung an sich und darum, aus dem Kopf stärker in den Körper reinzukommen. Von daher, das war ein guter Start. Und jetzt geht es an den Rechner erstmal, um zu gucken, was alles aufgelaufen ist in den letzten zwölf Stunden. Dass wir ein Stück weit besser auf uns

01:09 · PING · Armin Schroeder#

selber achten, ist natürlich auch dem Alter geschuldet, aber auch sicherlich Zeitgeist. Wir leben heute alle etwas gesünder als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Und wenn wir uns mal die Zeit angucken und deine Karriere, dann gewinnt man den Eindruck, dass du in deiner dritten Karriere bist. Gestartet im Journalismus, dann beim Text geblieben auf Kreationsseite und dann der Wechsel auf Kundenseite. Wie viel von den ersten beiden Stationen ist heute noch in deinem Arbeitsalltag zu spüren?

01:43 · PONG · Silke Lakeit#

Sehr gutes Timing für diese Frage. Wir arbeiten nämlich gerade an einer hyperlokalen Kampagne, wo wirklich eine riesige Anzahl an Headlines abzustimmen ist. Und da muss ich sagen, lasse ich es mir halt echt nicht nehmen, da noch sehr tief reinzugehen. Obwohl ich normalerweise von Mikromanagement nicht viel halte, aber da ist halt einfach die Texterin in mir noch zu stark präsent, um da nicht auch immer noch Feedback reinzugeben. Insgesamt profitiere ich wahnsinnig stark von den Stationen, die ich ja früher gemacht habe, ob es so ein bisschen dieses sich in unterschiedliche Zielgruppen reindenken ist, was du in der Agentur natürlich extrem stark mitnimmst. Und auf der anderen Seite aber auch so, dass die frühen Erfahrungen im Journalismus hinsichtlich dessen, wie sich jetzt eine ganze Branche verändert, die Monetarisierungssysteme oder Prinzipien eben nicht mehr aufrechterhalten kann. Und was das für uns bedeutet, was das für uns in der Arbeit im Marketing an der Schnittstelle zur PR zum Beispiel auch bedeutet, sind ganz wichtige Themen, die uns vorantreiben, die natürlich bei der Zielgruppe, um die es bei Tinder geht, sich dann viel stärker ausprägen in Richtung Creator-Industrie, mit welchen Agenturen arbeitest du zusammen, wie gestaltest du das aus, damit du eben für eine junge Zielgruppe einfach relevant bleibst und nah an den Lebenswirklichkeiten. Also da ist so die Gemenglage an Dingen, die ich mitgenommen habe, das, was ich im Marketing heute richtig gut einsetzen kann. Und da bin ich sehr dankbar für

03:10 · PING · Armin Schroeder#

diesen etwas unlinearen Weg. Die Liebe zum Text merkt man auch sehr deutlich an deinem Newsletter auf Substack „From Nerd to You“. Und der Titel, der sagt ja eigentlich alles. Also zum einen, dass du die Nerdin bist und dass du auch so einen didaktischen Auftrag in dir verspürst. Und natürlich auch die Liebe zum Text hast und die damit einfließt. Und wenn es Nerd-Sein ist – und das sage ich aus eigener Erfahrung –, das ist ein ziemlich weites Feld. Und mich würde interessieren, welcher Nerd bist du? Was macht für dich Nerd-Sein aus? Und was für eine Energie schöpfst du aus deinem Nerd-Sein, um andere Menschen in deine Welt zu holen? Lieblingsthema. Nerd-Sein bedeutet für

04:02 · PONG · Silke Lakeit#

mich in erster Linie neugierig sein. Das hat ganz stark auch mit unserem Berufsfeld zu tun. Das heißt, sich immer wieder auf neue Dinge einlassen können, aber nicht nur dieses passive Einlassen können, sondern dieses bewusst nach neuen kleinen Informationsnuggets suchen. Ich liebe Rabbit Holes, ich liebe es, mich in der Tiefe mit einem Thema zu beschäftigen. Was in der informationsdichten Welt, in der wir leben, halt immer schwieriger wird. Trotzdem versuche ich, mir aus meinem Alltag immer wieder Zeit rauszuklauen, um das machen zu können. Und das hat bei mir einfach schon sehr früh eine enge Verknüpfung mit dem Digitalen gehabt. Geht aber auch weiter. Also in meinem Newsletter habe ich auch immer die Kategorie Nerd-Nugget drin, wo es dann auch manchmal um Evolutionsbiologie oder Raumfahrt geht, weil das genauso spannende Themen sind. Und sich das so ein bisschen beizubehalten, diese Neugier auf Themen, auf kleine Überraschungen im Alltag, finde ich wahnsinnig wichtig. Mein siebenjähriger Sohn fragt mich abends beim Ins-Bett-Bringen immer: Was hast du heute Neues gelernt? Was ist so die eine Sache, die du mir erzählen kannst, anstelle einer klassischen Gute-Nacht-Geschichte? Und das macht mir einfach unglaublich Spaß und ich glaube, das verbindet auch alle Nerds weltweit, würde ich sagen. Nerds aller Rabbit Holes, vereinigt euch.

05:16 · PING · Armin Schroeder#

Schaffst du es denn neben dem Ritual mit deinem Sohn, die Dinge, die du im Rabbit Hole erlebst und erfährst, auch in deinem Alltag, auch in deinem Job einzubinden? Das kommt ein bisschen darauf an, wie

05:31 · PONG · Silke Lakeit#

anwendbar diese Nuggets denn überhaupt sind. Steinzeit, Bücher, Schamanismus ist zum Beispiel was, was ich jetzt weniger häufig in meinen Alltag einbauen kann. Aber da sich der Großteil zum Beispiel der Newsletter ja auch um AI und AI Education dreht, sind das tatsächlich auch ganz viele Sachen, die ich mitnehme, aufnehme und dann direkt umsetze oder ausprobiere. Also wie kannst du mit den neuen Modellen bestimmte Arbeits-Hacks umsetzen, ohne am Ende mehr Arbeit zu machen? Wie kannst du ein Learning mitnehmen, wie kannst du es im Marketing einsetzen, wie kannst du es nutzen, um dich selber noch mal zu challengen? Das sind alles Dinge, die ich schon umgesetzt und dann weitergegeben habe. Und ganz viel passiert dann auch in Gesprächen mit Kolleginnen, mit anderen Menschen aus der Branche. Vor allem mit Jüngeren finde ich das extrem spannend zu gucken, wie sind die Unterschiede in der Nutzung von KI, wie verändert sich das gerade, wenn man sich Gen Z zum Beispiel anguckt. Und da ist dann die Brücke zu meinem Job, also full circle, würde ich sagen.

06:34 · PING · Armin Schroeder#

Kommen wir vom Nerd zu dir zurück. Stell dir vor, du erhältst bei einem Award einen Preis für dein Lebenswerk. Und der Laudator oder die Laudatorin steht oben auf der Bühne und erzählt, was dich ausmacht, weshalb du ausgezeichnet wirst. Welches Wort muss zwingend in der Laudatio enthalten sein, das die Essenz deines Schaffens ist? Das dich einfach gut beschreibt. Vielleicht gehen da Wunsch und Realität

07:01 · PONG · Silke Lakeit#

minimal auseinander. Ich fände es schon witzig, wenn Humor eine Rolle spielen würde. Wobei ich mir vorstellen kann, dass in einer User-Befragung mit Leuten aus meinem Umfeld dann vielleicht eher die Antwort, „steht sehr auf Schenkelklopfer slash Dad Jokes“, rauskommen würde. Von daher glaube ich tatsächlich, dass das Thema Kreativität ein wichtiges Schlagwort wäre. Gar nicht unbedingt, weil das jetzt naheliegend ist, Kreation, Marketing, Kreativität, sondern weil ich wirklich glaube, dass das ein Muskel ist, den wir wie ganz viele andere Muskeln, die wir haben, durchgehend unser Leben lang trainieren müssen. Und dass durch meine Arbeit und auch durch die Neugier die Freude an Themen glaube ich automatisch mit trainiert wird. Das heißt, das wäre etwas, was ich mir vorstellen kann und worüber ich mich am Ende auch freuen würde, wenn das mit mir assoziiert wird. Kommen wir mal vom Blick in die Zukunft

07:57 · PING · Armin Schroeder#

zurück zu deinem Arbeitstag. Gibt es einen Menschen, ohne den dein heutiger Arbeitstag oder auch die Arbeitswoche nur halb so gut gewesen wäre? Wem gibst du ein High Five und warum?

08:11 · PONG · Silke Lakeit#

Ich habe das Gefühl, dass wir da einen Spoiler haben, weil ich tatsächlich gerade mit meiner Lieblingskollegin, Mojana, mit der ich gerade vier Stunden an einer Strategie gearbeitet habe zum SMG, das heißt, wir belohnen uns für guten Output, gutes Teamwork und ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich so eine tolle Kollegin habe, wo es einfach flowt, wenn man Dinge zusammenentwickelt. Jetzt haben wir ein paar Stunden

08:40 · PING · Armin Schroeder#

miteinander verbracht. Da stellt sich ziemlich klar die Frage, mit welcher Person würdest du gerne mal einen Arbeitstag verbringen, egal wer.

08:52 · PONG · Silke Lakeit#

Mega spannende Frage, ganz spontane Antwort wäre: alles, was im Bereich „Nachts im Museum“ stattfindet. Tatsächlich moderne Museumskuratierung. Also wie schafft man es heute, Leute mithilfe von digitalen Hilfsmitteln, für etwas zu begeistern, was mehrere tausend Jahre alt ist, was Geschichte geschrieben hat, was Geschichte mitbringt. Also diese Schnittstelle von physischer Experience und digitaler Experience, das finde ich unglaublich spannend, wie so etwas aufgesetzt wird, geplant wird, auch unter ja oft sehr strikten Budgetlimitierungen, das finde ich super spannend und wahrscheinlich auch deshalb, weil ich dann hoffen könnte, einfach mal ein paar coole alte Artefakte anfassen zu dürfen.

09:44 · PING · Armin Schroeder#

Liebe Silke, wir haben dich jetzt schon den Tag über begleitet und der Arbeitstag neigt sich dem Ende. Du bist noch bei einem Dinner. Eine letzte Frage habe ich noch. Stell dir vor, du hast die Chance, der siebenjährigen Silke einen Tipp fürs Leben zu geben. Für ihre Karriere, für ihre Entfaltung, für ihre Neugier. Welcher wäre das? Du, meine erste Reaktion wäre jetzt echt

10:08 · PONG · Silke Lakeit#

gewesen und das ist das, was ich oft auch anderen jungen Frauen sage, wenn es so um Tipps zum Thema Karriereplanung und so weiter geht. Ich habe auch das Gefühl gehabt, dass ich gar nicht strukturiert und strategisch genug an meine Karriereplanung gegangen bin. Deshalb ist es immer so was, mach dir früh Gedanken, wo du hin willst, welche Schritte du dafür brauchst. Aber wenn ich ganz ehrlich mal zurückblicke, haben sich ganz, ganz viele Dinge bei mir zufällig ergeben. Und deshalb wäre, glaube ich, mein Rat an mein siebenjähriges Selbst: sei ein bisschen entspannter damit, dass manche Dinge sich entwickeln und Zeit brauchen und am Ende aber die Dinge genauso kommen, wie sie kommen müssen, und man Dinge auch nicht wirklich erzwingen kann. Man kann sich natürlich Gedanken machen, eine schlaue Planung kann in manchen Situationen helfen, aber don’t overthink it. Liebe Silke, vielen Dank, dass wir dich heute begleiten durften. Ich hätte noch einige Fragen an dich, aber das Format ist halt auf einen Arbeitstag beschränkt. Ich hoffe, dass du ihn gut zu Ende bringst, dass deine Heimfahrt gut verläuft, dass du ein bisschen Spaß hattest und vielleicht können wir es irgendwann nochmal wiederholen. Hab einen schönen Abend.

11:22 · PING · Armin Schroeder#

Und ich bin eigentlich gespannt darauf, was du deinem Sohn heute für eine nerdige Gute-Nacht-Geschichte erzählst. Bis bald. Danke dir, Armin. Ich

11:32 · PONG · Silke Lakeit#

hatte auch total viel Spaß. Für mich geht der Tag heute auch zu Ende. Ich bin gerade auf dem Weg nach Hause. Die ganzen Impulse heute fand ich wirklich spannend. Das bringt einen noch mal auf einer anderen Ebene ins Nachdenken. Danke dafür. Und mein Sohn schläft hoffentlich schon. Das heißt, ich habe für die nächsten Bedtime-Content noch einen kleinen Aufschub bekommen. Und ich kann mir morgen noch was Frisches überlegen. Ich wünsche dir auch einen schönen Abend und wir sehen uns.