S2F09 Transkript

Transkript: Julian Bretz

„Du machst es mir wirklich schwer"

Transkript: Julian Bretz

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00:00 · PING · Armin Schroeder

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von 24 Ping Pong. Es bleibt international, heute freue ich mich auf einen Arbeitstag mit Julian Bretz. Los geht’s! Welcome to 24 Ping Pong! Hallo und guten Morgen Julian! Ich starte hier im Homeoffice, bevor ich gleich ins Büro fahre. Wo starten wir mit dir den Tag? Guten Morgen Armin, freut mich total,

00:25 · PONG · Julian Bretz

dass ich dabei sein darf. Wie du siehst, fängt mein Tag im Homeoffice an. Im schönen Köln-Bayenthal. Und ich fange meistens um 8 Uhr an, um schon mal ein paar E-Mails abzuarbeiten und den Tag quasi mit Schwung aufzunehmen. Und dabei gönne ich mir ein paar Overnight Oats und ein Käffchen. Genau und versuche irgendwie, das Beste früh schon am Morgen rauszuholen. Am frühen Morgen entscheidet sich es oft, ob es ein guter oder ein schlechter Arbeitstag wird.

00:50 · PING · Armin Schroeder

Was gehört für dich denn zu einem richtig guten Tag? Viele der Tage, an denen ich unsere

00:56 · PONG · Julian Bretz

Märkte besuche, sind auch immer mit die schönsten Tage. Ich arbeite jetzt inzwischen vor allem mit ganz Europa zusammen. Die Tage, wo ich weiß, es wird zwar früher Morgen und ich muss einen frühen Flug nehmen, hab dann aber am Ende des Tages einen Workshop gemeinsam mit unseren mazedonischen Kollegen, mit den Kollegen aus Griechenland, aus Kroatien, aus Polen oder wie auch immer. Das sind meistens die Tage, auf die ich mich am meisten freue, weil da internationale Kollaboration entsteht und wirklich die wichtigen Themen auch für die Märkte, die relevanten Themen besprochen werden.

01:25 · PING · Armin Schroeder

Stell dir folgende Szenerie vor. Du begegnest deinem neuen Nachbarn draußen vor der Haustür und wirst gefragt, was machen Sie eigentlich? Versuch mal in drei Sätzen zu erzählen, was du so in den letzten Jahren getrieben hast.

01:40 · PONG · Julian Bretz

Tatsächlich laufe ich hier gerade kurz durch mein Veedel. Und es könnte tatsächlich sein, dass ich einen Nachbarn spontan treffe. Was ich dann immer sage, ist, ich baue Bühnen für die besten Werbekampagnen Europas. Was im Endeffekt einfach nur bedeutet, ich plane Werbekampagnen und achte dabei darauf, dass die Kampagnen immer im richtigen Moment die richtige Botschaft und die richtige Zielgruppe ausspielen, damit wir den größten möglichen Impact irgendwie mit unserer Kampagne erzielen. Und treibe das entsprechend mit den neuesten wissenschaftlichen Studien auch dann in die Märkte, damit die Märkte genauso agieren können. Das klingt schon nach

02:11 · PING · Armin Schroeder

einer ziemlichen Aufgabe. Was hast du denn aus deinen vorherigen Stationen mitgenommen, das dir heute hilft, genau diese Aufgabe zu bewältigen? Du hast in Korea studiert, du hast bei einer unabhängigen Medienagentur gearbeitet. Da wird es ja sicherlich einige Dinge geben, die du dir bis heute bewahrt hast. Und wieder zurück im Homeoffice.

02:31 · PONG · Julian Bretz

Also ich glaube, gerade mein Studium vorher in Korea und in den Niederlanden auch hat mir geholfen, auf jeden Fall international zu denken. Das heißt immer, offen in den Austausch mit Leuten mit anderem Background zu gehen, andere Kulturen zu wertschätzen und vor allem auch zu lernen, dass es andere Perspektiven auf der Welt gibt. Die anders sind als meine Perspektive, die deswegen aber nicht falsch oder schlecht sind, sondern tatsächlich sogar Mehrwert stiften und helfen mir persönlich auch besser zu werden. Und das konnte ich vor allem im Studium lernen. Und dann auch in meiner Agenturzeit - daher kennen wir uns ja noch Armin, auch weiterentwickeln. Weil auch in meiner Agenturzeit habe ich dann stark mit internationalen Märkten zusammengearbeitet, mit den Briten, mit den Amerikanern zusammengearbeitet und natürlich auch mit den ganzen Agenturen, die wir da in unserem unabhängigen Netzwerk hatten. Und auch da musste ich das dann wieder anwenden und auch wieder lernen, auf andere Perspektiven, andere Kulturen Rücksicht zu nehmen. Auch über sprachliche Herausforderungen hinweg. Ja, konnte ich in meiner Vergangenheit lernen und hilft mir jetzt jeden Tag.

03:26 · PING · Armin Schroeder

Okay, lass uns noch mal kurz bei den Perspektiven bleiben. Hast du ein Beispiel für uns, das zeigt, wie du die unterschiedlichen Perspektiven einmal erlebt hast und was sich daraus an Neuem entwickelt hat? Ich glaube, ein gutes Beispiel dafür ist,

03:42 · PONG · Julian Bretz

dass wir als Deutsche häufig sehr perfektionistisch sind, das heißt, wir wollen Projekte oder Innovationen nicht wirklich starten, bevor wir nicht alle Eventualitäten geklärt haben und hundertprozentig eigentlich schon das Ergebnis wissen. Was aber häufig dazu führt, dass wir in Innovationen sehr langsam sind und hinterher hinken, während andere Kulturen da offensichtlich manchmal pragmatischer sind. Da geht es eher nach dem Prinzip, lass uns erstmal schauen, was passiert, um dann zu schauen, wie wir es optimieren oder verbessern können. Aber dadurch ist da eine deutlich höhere Innovationskraft hinter. Ich glaube, beides ist nicht falsch, da mit optimistische Menschen zusammenzuarbeiten, die auch einfach pragmatischer Themen, auch wenn sie nur bei 80% Perfektion sind, umsetzen, hilft mir dann total, neue Sachen zu lernen. Ein anderes Beispiel dafür ist, dass wir als Deutsche häufig sehr individualistisch sind. Das heißt, wir sind sehr auf uns fokussiert, auf das Thema fokussiert, während andere Kulturen da eher ein kollektivistisches Verständnis haben, dass es erst mal darum geht, eine persönliche Beziehung aufzubauen, Vertrauen aufzubauen zu dem neuen Partner, mit dem man längerfristig zusammenarbeiten möchte. Was dann da in den Vordergrund rückt, und ich glaube, auch das ist wieder ein gutes Zeichen dafür, dass beide Ansätze in ihrer Logik in sich erst mal nicht falsch sind, aber natürlich irgendwie eine andere Voraussetzung in der Zusammenarbeit verlangen. Und ich glaube, da können wir als Deutsche noch einiges von anderen Kulturen lernen, die da eher kollektivistisch sind, weil am Ende des Tages wollen wir auch irgendwie unseren Partnern vertrauen und dann vielleicht auch einfach mal ein gemeinsames Abendessen oder einfach auch mal nicht nur über das Projekt zu reden, kann da deutlich helfen, auch einfach dieses Vertrauen aufzubauen. Ich glaube, da kann man einiges voneinander lernen. Gehen wir mal vom Lernen ins Wünschen.

05:19 · PING · Armin Schroeder

Stell dir vor, du begegnest einer guten Fee und du hast die Möglichkeit, dir eine einzige Sache zu wünschen, um etwas in der Branche zu ändern. Was wäre das?

05:29 · PONG · Julian Bretz

Mit einem Wunsch machst du es mir natürlich echt schwer, weil es gibt tatsächlich einige Sachen, die ich mir wünschen würde. Aber wenn ich mir nur eine Sache wünschen darf, dann wäre es tatsächlich, dass endlich die Faszination mit großen Zahlen aufhört. Weil meiner Meinung nach gibt es nichts Schlimmeres, als die Bewertung der Kampagne anhand von Ad Impressions oder besonders vielen, vielen Kontakten, die wir irgendwie in der Kampagne generiert haben. Weil das sagt überhaupt nichts über den echten Impact der Kampagne aus. Und ich glaube, wenn wir das schaffen würden, diesen Fokus zu verlieren und einfach auf Effektivität vor allem auch uns zu fokussieren, dann würden sich ganz viele andere kleine Probleme, die wir noch mitschleppen, auch lösen. Und möglicherweise würden wir es schaffen, uns auf die richtigen Kanäle zu fokussieren und nicht dem günstigen TKP hinterherzulaufen.

06:17 · PING · Armin Schroeder

Gucken wir uns mal eine Kampagne an von euch, von der Deutschen Telekom. Die Own Your World Kampagne warnt Gen Z vor digitalen Doppelgängern. Was ist für dich so ein Indikator, der die Kampagne auszeichnet, der sie besonders macht? Das ist eine Kampagne, die

06:36 · PONG · Julian Bretz

hat richtig viel Spaß gemacht. Ich glaube, was die Kampagne wirklich auszeichnet, ist die unfassbare Kollaboration zwischen Media und Kreation. Und zwar haben wir da mit einem ganz tollen Kollegen intern auf Kreativseite zusammengearbeitet, aber auch mit einer guten Kreativ-Agentur und konnten wirklich integriert Media und die Kreation planen. Das hat dazu geführt, dass wir echt sehr, sehr viele coole Assets hatten, die wir gut einsetzen konnten. Und gleichzeitig hat es auch dazu geführt, dass wir wirklich sehr, sehr viele coole Sonderumsetzungen einsetzen konnten, die einfach nochmal die Botschaft in den Vordergrund gerückt haben. Also wir hatten beispielsweise einen AMA mit unserem Chief Security Officer bei der Telekom, was glaube ich wirklich nochmal ein spannender Ansatzpunkt war, um wirklich einfach mal die Fragen zu stellen, die wirklich wichtig sind. Dann hatten wir sehr, sehr coole Kollaborationen über Ländergrenzen hinweg. Und zwar hatten wir ein Twitch Live-Event, wo wir mit GeoGuessr, das ist ein momentan sehr beliebtes Spiel auf Twitch, wirklich erlebbar machen konnten, was es bedeutet, online seine Fotos und seine Location irgendwie zu teilen. Weil, wenn man sich wirklich gut mit der Sache auskennt, man sofort rausfinden kann, wo sich die Person befunden hat. Und zu guter Letzt haben wir da echt noch eine spannende Snap-Lens umgesetzt, die auch wirklich wieder ein sehr immersives Gefühl für die Zielgruppe gegeben hat. Und ich glaube, das ist besonders wichtig, wenn man irgendwie relevant sein will für die Gen Z. Also nicht einfach nur Frontbeschallung und denen irgendwie erzählen, wie die ihr Leben zu leben haben, sondern wirklich die Botschaften auch erlebbar zu machen. Und das funktioniert halt nur, wenn man wirklich sehr, sehr stark kollaboriert zwischen Media und Kreation. Sehr, sehr cool, was ihr macht.

08:10 · PING · Armin Schroeder

Was würdest du denn dem sagen wir 20-jährigen Julian raten? Gibt es etwas, was du auf dem Weg zu deinem heutigen Job nochmal anders gemacht hättest oder würdest du alles nochmal genau so machen?

08:23 · PONG · Julian Bretz

Ich würde dem 20-jährigen Julian raten, einfach alles exakt genauso zu machen, wie er es gemacht hat. Weil ich hatte ganz, ganz viel Glück im Leben. Ganz, ganz viel Glück im richtigen Moment, die richtigen Personen zu treffen, die… Ich weiß nicht warum, aber irgendwie immer gesagt haben, irgendwie will ich diesen Julian unterstützen. Und dafür bin ich super dankbar. Weil ohne die Personen, die ich auf dem Weg kennengelernt habe, hätte ich überhaupt nicht die Chance jetzt an dieser Position zu sein, in der ich bin. Ich glaube, das ist auch immer mit super, super viel Glück verbunden. Und dementsprechend würde ich sagen, pass bloß auf, dass du es genau so machst, wie du es einmal gemacht hast. Weil besser werden kann es, glaube ich, nicht so richtig. Die einen nennen es Glück, die anderen

09:01 · PING · Armin Schroeder

würden sagen, es ist Können. Gibt es denn eine Person, die für dich besonders wichtig war? Du machst es mir echt schwer, um

09:09 · PONG · Julian Bretz

sicherzugehen, dass ich niemanden vergesse, weil ich hatte wirklich viele großartige Mentoren, die mich auf meinem ganzen Weg unterstützt haben. Gehe ich mit einer unkonventionellen Antwort. Und zwar würde ich sagen: Heather Estey, meine Basketball-Trainerin, als ich in der U14 in Grevenbroich gespielt habe. Und zwar einfach nur, die hat den Grundstein gelegt, sie hat gesagt, vertraut immer an euch selbst, glaubt an das, was ihr könnt. Und wenn ich das nicht getan hätte, dann wäre, glaube ich, einiges ein bisschen anders gelaufen. Und auf dem Weg habe ich wirklich so viele großartige Menschen kennengelernt, die mir alle geholfen haben, die mich alle wirklich unter ihre Fittiche genommen haben. Und ich habe Angst, dass ich jemanden vergesse, deswegen sage ich einfach, Heather, danke dir und danke auch an alle anderen. Ihr wisst, wer ihr seid, ihr habt mir immer geholfen und ich danke euch allen.

09:55 · PING · Armin Schroeder

Wir kommen so langsam zum Ende des Arbeitstags. Stellt sich für mich die Frage, gibt es eine Stadt oder ein Land, in dem du gerne nochmal deine Arbeitstage verbringen würdest?

10:06 · PONG · Julian Bretz

So, ich habe inzwischen meinen Laptop zugeklappt und genieße meinen Feierabend. Und ja, ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, nochmal im Ausland zu arbeiten. Seoul ist eine absolut spannende Stadt, super aufregend. Und ich habe meine Historie mit Südkorea und ja, das fänd ich schon ziemlich, ziemlich spannend nochmal. Aber ob es jemals dazu kommt, das weiß ich nicht, weil mir geht es auch in Deutschland echt gut. Und das müsste man sich dann halt schon sehr genau überlegen. Wenn dein Arbeitsleben ein Basketballspieler wäre, wer wäre es und warum? Rajon Rondo. Für alle, die 2006 glaube ich, bis 2020, 2022 die NBA verfolgt haben, die wissen, von wem ich rede. Der Playmaker der Celtics, der mit denen Meister geworden ist und mit 2020 mit den Lakers Meister geworden ist. Was man über den sagen kann, der hat immer gehasselt, immer Vollgas gegeben, Defense, volle Möhre und hat aber immer versucht, dann auch alle anderen gut aussehen zu lassen. Hat immer alle mit einbezogen und versucht irgendwie das beste für das Team rauszuholen. Deswegen, wenn mich Leute ein bisschen wahrnehmen wie Rajon Rondo, dann bin ich, glaube ich, zufrieden. Bevor ich auch gleich mein Notebook für heute zuklappe, die letzte Frage für 24 PingPong heute. Entschuldige, wenn das einfach völlig falsch ausgesprochen ist. Stell dir vor, du hättest ein Riesenposter, ein digitales von mir aus, am Gwanghwamun-Platz in Seoul. Was würdest du drauf schreiben? Armin, gar nicht mal so schlecht ausgesprochen. Also, ich bin wirklich kein guter Werbetexter. Aber da können wir ja zusammen daran arbeiten. Ich gebe dir die Idee, du machst es schön und ich würde sagen: Habt euch alle lieb. Ich glaube, dass es am Ende des Tages das Wichtigste ist, dass sich Menschen gegenseitig respektieren und schätzen und lieb haben. Und du überlegst dir jetzt was Gutes, wie man das ausformulieren könnte, damit es auch auf einem Poster da oben gut rüberkommt. So leicht kommt man an neue Jobs dran.

11:57 · PING · Armin Schroeder

Vielen Dank, ich werde die Ideen ausarbeiten und bis morgen EOB hast du drei Vorschläge im Postfach. Vielen Dank, dass wir dich heute begleiten durften. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Und bis sehr bald. Tschüss!

12:16 · PONG · Julian Bretz

Armin, es war mir eine absolute Ehre, dabei gewesen zu sein. Du stellst richtig gute Fragen. Und ich verfolge das Format schon seit einer Weile und es macht richtig Spaß, das zu sehen. Und deswegen echt eine große Ehre, dabei gewesen zu sein. In dem Sinne, schönen Abend noch!