Transkript: Simon Altewischer
„KI ist kein Praktikant. KI ist dein Spiegel."
Transkript: Simon Altewischer
Automatisch aus dem Untertitel-File (SRT) konvertiert, Zeitstempel relativ zum Folgenstart. Sprecher-Wechsel manuell gesetzt. Redaktionelle Überarbeitung ausstehend.
00:00 · PING · Armin Schroeder
Die Pause ist vorbei. Herzlich Die Pause ist vorbei. Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von 24 Ping Pong. Nachdem wir letztes Mal mit Verena Gründel ein bisschen die Welt der DMEXCO ergründen durften, wechseln wir heute in die Deloitte Technology Garage mit Simon Altewischer. Die Welt braucht mehr Neugier, die Welt braucht ein Umdenken und wir gucken uns heute mal an, was das für Simon in seiner Welt bedeutet. Viel Spaß! Guten Morgen Simon! Ich freue mich total, dass ich dich heute begleiten darf. Wo starten wir mit dir in den Tag? Guten Morgen Armin! Du
00:49 · PONG · Simon Altewischer
erwischst mich gerade auf den letzten Metern mit unserem Hund, dem Pablo. Der war nämlich jetzt draußen. Also eine Gassirunde ist gar nicht schlecht, um sich so auf den Tag vorzubereiten und sich schon mal alles zurechtzulegen.
01:01 · PING · Armin Schroeder
Wann hast du heute das erste Mal an deinen Job gedacht und worum ging es dabei?
01:06 · PONG · Simon Altewischer
Ich versuche eigentlich immer die erste Runde, die ich mit dem Hund gehe, schon aktiv dafür zu nutzen, um über den Tag nachzudenken. Das was heute für mich besonders relevant ist, ist das Thema, wie kann ich eigentlich diesen Komplex in Bezug auf KI auflösen, dass ich eine persönliche Komponent habe? Also etwas, was nur mich betrifft, beispielsweise ich möchte effizienter mit den Tools arbeiten, die ich jeden Tag im Gebrauch habe. Ich weiß aber, dass nicht jeder in dieser Organisation, in der ich mich bewege, die gleichen Tools verwendet, wie ich, auf der einen Seite und auf der anderen Seite. Wie kann ich eigentlich das gesamte Thema Enterprise Produktivität, also was, was jeder braucht, bestmöglich steigern? Und dann, wie kriege ich das so kommuniziert, dass für die Leute sofort ersichtlich ist? Ich muss, wenn ich eine Idee habe, meine persönliche Produktivität zu steigern, in die Richtung gehen und das machen. Und wenn ich eine Idee habe, was der gesamten Organisation hilft, muss ich in die Richtung gehen. Das ist eigentlich das, was mich diese Woche ganz grundsätzlich beschäftigt. Das
02:02 · PING · Armin Schroeder
klingt danach, als bräuchtest du einen Schüler- lotsen, damit man schnell die Perspektiven wechseln kann, was einem ja im Eifer des Gefechts so einem Alltag gar nicht so leicht fällt. Kommen wir mal auf dich zurück und vor allem auf deinen Berufsalltag, wie weit nutzt du die KI, um den Umgang mit KI zu lösen? Oder wie weit greifst du auf deine Systeme zurück, die du aus der, ich würde mal sagen, klassischen Unternehmensberatung mitbringst? Ja, mein Lotse oder mein Copilot.
02:32 · PONG · Simon Altewischer
Für mich geht es in meinem Arbeitsalltag eigentlich gar nicht so sehr darum, die KI Aufgaben erledigen zu lassen, sondern für mich geht es insbesondere darum, besser denken zu können. Ich nutze KI auf der einen Seite, um Muster besser zu erkennen, weil es gibt Dinge, die kriegt mein Prefrontaler Kortex nicht so gut hin wie eine KI und auch auf der anderen Seite geht es natürlich auch darum, Prozesse so gut wie möglich zu automatisieren. Das wiederum gibt mir ja Raum, über die wirklich sinnvollen Dinge nachzudenken, weil nur in dem Moment, wo ich anfange, die KI so einzusetzen, dass sie meinen Arbeitsalltag so effizient wie möglich gestaltet, habe ich ja die Möglichkeit, so kreativ wie möglich zu sein. Weil erst mal hat ganz klassische Corporate Arbeit ja nicht unbedingt was damit zu tun, dass ich jetzt großartig Raum hab kreativ arbeiten zu können. Für mich ist ein Faktor noch ganz wichtig und das ist das Thema KI als Spiegel. Ich glaube, dass in dem Moment, wo man die KI als Spiegel seiner eigenen Komplexität bedient, nur gewinnen kann, weil ich denke, dass man im Laufe seines Arbeitslebens immer weiter dahin kommt, Dinge unnötig zu verkomplizieren und die KI kann schon in einem Großteil dabei helfen, diese Komplexität wieder herauszunehmen, weil manchmal ist das Leben gar nicht so schwer. KI als Spiegelbild
03:58 · PING · Armin Schroeder
meiner selbst zur Reduktion der Komplexität, das klingt spannend, sollten wir gleich noch mal darüber sprechen. Zuerst würde mich aber interessieren, hast du die KI gefunden oder hat das Thema dich gefunden? Also ist es für dich eine logische Konsequenz in deiner Karriere gewesen, diesen Schritt zu machen Richtung Innovation, Richtung technologische Transformation oder hätten es auch ganz andere Themen sein können, also eher Zufall oder schon klar geplant? Ich glaube, das ist wie
04:28 · PONG · Simon Altewischer
bei Harry Potter, der Zauberstab sucht sich den Zauberer aus. Es hat so ein Mix. Ich denke, dass jede Entscheidung eine logische Folgeentscheidung schon in sich trägt. Ich habe ganz normale Abitur gemacht, bin dann über ein Bachelorstudium International Business in Richtung Statistik im Master abgebogen und von da aus war dann eigentlich der Weg auch über meine Vorerfahrung, “Nachhaltige Portfoliosstrukturierung”, Bank, ein bisschen geebnet in den Finanzsektoren im weitesten Sinne. Mein damaliger Chef hier in Düsseldorf hatte mir aber schon ans Herz gelegt, dass es für mich und meine Generation wahrscheinlich eher schwierig wird, noch den ganz klassischen Banking-Karriereweg zu gehen, allein aufgrund der Thematik Automatisierung. Und er meinte damals zu mir: “Herr Altewischer, ich geb Ihnen Rat, meine Söhne sind so alt wie Sie. Ich will Sie da nicht benachteiligen, den habe ich klar von Banking abgeraten. Ich rate Ihnen auch klar von Banking ab. Gucken Sie, dass in eine Unternehmensberatung kommen.” Und so war es dann eigentlich, dass ich mich nach meinem Studium für die Unternehmensberatung entschieden habe. Ich habe da erst mal angefangen im Financial Services Consulting, habe dann über Umwege, wie das immer so ist im Leben, den Weg in Richtung Transformationsberatung gefunden, bin auf eine interne Position gewechselt, bin da im Rahmen von Transformation mit RPA das erste Mal in Berührung gekommen, also Robotik Process Automation. Und von da aus haben die Dinge dann sehr schnell ihren Lauf genommen. Von RPA war es nur ein Katzensprung zu Cloud-Themen, von da aus war es nur ein Katzensprung zu DevOps-Themen, von da aus war es nur ein Katzensprung zu Operate oder Managed Services Themen. Dann kam dieses alles erschlagende Thema KI dazu. Und für mich ist es relativ simpel. Du hast Automatisierung, ist nicht zu sehen wie die Schwester von KI, es ist aber eine Verwandte. Also es ist eine Cousine. So bin ich an das Thema gekommen und es macht mir nach wie vor echt viel Spaß. Damit erübrigt sich so ein bisschen
06:23 · PING · Armin Schroeder
die Frage danach, ob es einen Menschen gegeben hat, der deinen Karriereweg maßgeblich beeinflusst hat. Aber jetzt versetzt du dich mal in die Lage, deines ehemaligen Chefs, welchen Rat würdest du denn einem jungen Menschen geben für den Karriereweg? Du bist jetzt Insider der Transformation.
06:41 · PONG · Simon Altewischer
Ja aus heutiger Perspektive war das ein wahnsinnig sinnvoller Ratschlag. Wenn ich weitergeben müsste oder wenn ich mit meinem 22- oder mit einem 22-Jährigen ich sprechen würde, wäre mein erster Ratschlag, bau dir kein Karrierehaus, bau dir ein Fundament. Was ich damit meine, ist eigentlich, dass Leute, also insbesondere junge Leute, aufhören müssen, in Titeln oder Positionen zu denken. Ich glaube, die Welt verändert sich so schnell, als dass es diese Sache, was ich heute lerne, kann ich morgen anwenden, dass es das so in der Form und in der Konsequenz gar nicht mehr gibt. Das, was wir lernen müssen, ist konsequent lernen zu denken, konsequent fühlen zu lernen und konsequent eine Neuerfindung à la Madonna in der Popkultur mit uns durchzubringen. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, nicht nach Sicherheit zu suchen, weil ich glaube, dass es insbesondere in den administrativen Jobs à la Beamtentum keine Sicherheit geben wird. Es wird noch mehr zu einer Sinnsuche kommen, glaube ich. Und diese klassischen Influencer-Karrieren, die werden auch weiterhin wahrscheinlich ein immer wichtiger werdender Karriere-Teil, weil jeder hat was, was ihn wirklich interessiert. Und das dann auch publik zu machen und dafür einzustehen, ist eine Möglichkeit, sich selbst in Anführungszeichen zu monetarisieren. Das wäre so mein Gefühl. Mein direkter Ratschlag ist: stell dich so breit wie möglich auf. Es wird nicht die eine Disziplin geben, die auf jeden Fall überlebt. Es wird aber immer eine Kombination aus verschiedensten Dingen relevant bleiben. Das heißt, versuch deine Interessen, die du hast und die du im Laufe deines Lebens entwickelst, bestmöglich zu nähren und versuch sie so zu verbinden, wie kein anderer sich verbunden hat bisher. Und ich glaube, dann bist du in der Lage, aus dir selbst ein System zu bauen, was dich komplett frei macht. Das wäre so mein Ansatz.
08:39 · PING · Armin Schroeder
So, und wir kommen zum Ende der ersten Folge. Simon und ich haben einfach ein bisschen zu viel erzählt. Ich hoffe, es hat euch bis jetzt gefallen. Mich würde unheimlich interessieren, ob ihr die Einschätzung über die Veränderung von Karrierewegen teilt oder ob ihr vielleicht ganz andere zukünftige Karrierewege seht. Schreibt doch mal in den Kommentaren, was ihr denkt. Würde mich sehr freuen. Ansonsten sehen wir uns in zwei Tagen wieder mit dem zweiten Teil.